Wir haben endlich unsere Einnahmen und Ausgaben im September für den Transparenzbericht aufbereitet. Der September war für uns anspruchsvoll, was auch an unserer erfolgreichen fünften „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz in der Volksbühne lag. Wir haben natürlich überlegt, wie und ob wir die Einnahmen und Ausgaben für die Konferenz in diesen Monatsreport aufnehmen. Und uns letztendlich dagegen entschieden. Der Schwerpunkt unserer Transparenzberichte liegt vor allem auf den Einnahmen durch Spenden und den Ausgaben für den laufenden Betrieb. Über die Organisation, Einnahmen und Ausgaben unserer Konferenz berichten wir dann in unserem Jahresbericht. (Hint: Einnahmen decken die Ausgaben.)
Der September: Viele Themen und Debatten, dafür weniger Spenden als im Vorjahr
Der September war voller Themen, bei den Spenden bemerkten wir aber erneut einen Rückgang. Die Einnahmen betrugen insgesamt 27.062 Euro, davon fallen 26.338 Euro auf Spenden. Eine Lizenzierung für Pressespiegel spülte 155 Euro in die Kasse. Auf dem Postweg und bei unserer Konferenz erhielten wir 569 Euro. Vielen lieben Dank dafür!

Zum Vergleich: Im Vorjahr-September haben wir 31.183 Euro an Einnahmen erzielt, davon waren 30.390 Euro Spenden. Also insgesamt ein Minus von 4.000 Euro, obwohl wir zumindest in der Binnensicht davon überzeugt sind, mittlerweile bessere Arbeit mit höherer Qualität abzuliefern.
Im September haben wir rund 17.800 Euro Verlust gemacht
Die Ausgaben waren mit 44.851 Euro recht hoch. Davon entfielen 37.652 Euro auf Personal. Das lag auch an der Sondersituation, dass wir in diesem Monat ausnahmsweise mal drei Praktikantinnen hatten. Und diese gerne bezahlen. 3.077 Euro gingen für Miete drauf und 2.777 Euro für Infrastruktur und Büro. Der letzte Kostenblock war so hoch, weil ich erstmals in 14 Jahren netzpolitik.org ein neues Arbeits-Notebook nicht selber bezahlt habe. Damit schreibe ich gerade auch diesen Bericht.
100 Euro haben Miete und Verpflegung für ein eintägiges Strategietreffen gekostet, 177 Euro gingen für Reisekosten drauf und mit 696 Euro zahlten wir externe Dienstleister für Dinge, die wir sonst hätten tun müssen: Buchhaltung, Steuern und rechtliche Beratung. 372 Euro kosteten Gebühren, größtenteils für unsere ethisch korrekte Bank.

Im September haben wir insgesamt rund 17.800 Euro Minus gemacht. Und diesmal können wir nicht das Sommerloch dafür verantwortlich machen. Unser monatliches Spendenziel von 38.500 Euro haben wir weit verfehlt. Um das Spendenziel für dieses Jahr zu erreichen, fehlen uns Ende September noch 184.383 Euro.
Wir haben im vergangenen Jahr Glück gehabt, dass Ihr uns in der Jahresendzeit so gut unterstützt habt, dass wir mit einem satten Überschuss ins Jahr gestartet sind. Und wir dank Eures Vertrauens unsere Redaktion ausbauen konnten. Dieser Überschuss ist aber langsam aufgebraucht. Wenn wir bis Ende des Jahres das Spendenziel nicht erreichen, müssen wir wieder kleiner werden und damit dann noch mehr Themen links liegen lassen, die eigentlich dringend mehr Aufmerksamkeit gebrauchen könnten.
Als gemeinnütziger Verein stehen wir immer vor der Herausforderung, Spenden zeitnah wieder in die satzungsmäßigen Zwecke zu investieren, um unsere Gemeinnützigkeit nicht zu gefährden. Den Überschuss aus dem letzten Jahr haben wir daher selbstverständlich in Personal investiert. Auf der anderen Seite führt diese Situation auch dazu, dass die monatlichen Ausgaben steigen, ohne dass die Spenden automatisch mitwachsen. Das bedeutet also, dass man es entweder schafft, die Spenden entsprechend zu erhöhen oder eben im Folgejahr die Ausgaben wieder anpasst, was in unserem Fall überwiegend Personal betreffen würde.

Die Top-Themen im September: Wir gehen nach Brüssel!
Wie schon zu Beginn geschrieben, fand am 21. September unsere fünfte „Das ist Netzpolitik!“-Konferenz mit über 700 Teilnehmenden erstmals in der geschichtsträchtigen Volksbühne statt. Wir hatten eine Vielzahl an spannenden Sprecherinnen und Sprechern zu zahlreichen relevanten netzpolitischen Themen zu Gast. Dank des CCC-Videoteams haben wir alle Talks und Debatten zeitnah zum Nachschauen und ‑hören online gestellt.
Im September haben wir etwas gewagt, was wir aber für dringend notwendig halten: Wir haben Alexander Fanta als unseren EU-Korrespondenten nach Brüssel geschickt. Dort werden viele gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen, aber es gibt zu wenig Aufmerksamkeit dafür. Für uns ist das ein finanzielles Risiko, wir halten es aber für wichtig, vor Ort vertreten zu sein und nicht immer nur aus Berlin über Brüssel zu berichten. Das ist für uns auch ein finanzielles Experiment. Mit Eurer finanziellen Unterstützung können wir das weiterführen.
Das EU-Parlament verabschiedete mit einer großen Mehrheit die umstrittenen Vorschläge zu verpflichtenden Upload-Filtern für Internetplattformen wie Facebook und Google und einem EU-weiten Leistungsschutzrecht im Rahmen der EU-Urheberrechtsreform. Seitdem wird im Trilog hinter verschlossenen Türen darüber mit Rat und Kommission verhandelt.
Wir haben mit einer umfangreichen Recherche zum „Citizen Google“ recherchiert, wie der Konzern mit der Google News Initiative durch gezielte Förderung den Journalismus dominiert. Das war eine unserer umfangreichsten Recherchen bisher und wir haben dazu auch mit europäischen Partnern zusammen gearbeitet.
Über die Hälfte aller Fälle, in denen Polizeibehörden Staatstrojaner einsetzen wollen, sind Drogendelikte. Das ging aus einer internen Erhebung des Bundeskriminalamts hervor, die wir veröffentlichten. Politisch wurde die Ausweitung der Schadsoftware mit schwersten Straftaten begründet. Wir haben immer davor gewarnt, dass diese Überwachungsbefugnisse ausgeweitet werden.
Wir haben die besten Ideen zur Plattformregulierung zusammengetragen, damit eine strukturiertere Debatte über die Machtbegrenzung von Facebook, Google und Co möglich ist. Google feierte 20. Geburtstag und wir präsentierten in einem Artikel Ideen und Lösungen, welche Alternativen es zu Google gibt und wie man den Fängen des Unternehmens entkommen kann. Forscher fanden heraus, dass Facebook die Handynummern von Nutzern auch dann für Werbezwecke einsetzt, wenn sie eigentlich nur für eine Sicherheitsüberprüfung angegeben wurden.
Die EU-Kommission hat einen Gesetzentwurf gegen die Verbreitung von Terror-Propaganda im Internet präsentiert und dieser sieht eine verpflichtende Zensurinfrastruktur für Plattformen aller Art vor. Laut Entwurf müssten terroristische Inhalte innerhalb einer Stunde gelöscht oder proaktiv erkannt werden – ansonsten drohen hohe Strafzahlungen. Ein solches Gesetz würde auch uns betreffen und uns zwingen, unsere Kommentare zu filtern.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat im September ein wichtiges Urteil verkündet: Die britische Massenüberwachung durch den Geheimdienst GCHQ ist nicht mit der Europäischen Menschenrechtskonvention vereinbar. In England gaben die drei größten britischen Geheimdienste, MI5, MI6 und GCHQ zu, dass sie die internationale NGO für Menschenrechte im Internet, Privacy International, überwacht haben. Die Informationen zu der illegalen geheimdienstlichen Praxis kamen erst durch eine Klage von Privacy International an die Öffentlichkeit.
Der damalige Verfassungsschutzpräsident Hans Georg Maaßen zweifelte Hetzjagden in Chemnitz auf Menschen mit Migrationshintergrund an und wurde zwischenzeitlich dafür zur Beförderung eingeplant. Am meisten Zuspruch erhielt Maaßen von ganz rechter Seite. Wir haben die Netzwerke der #wirsindmaaßen – Kampagne datenjournalistisch untersucht.
Wir haben Sicherheitsprobleme der Verhütungs-App Natural Cycles unter die Lupe genommen. Frauen sollten sich nicht so sehr auf die Werbeversprechen des Unternehmens verlassen.
Danke für Eure Unterstützung!
Wir sagen noch einmal allen vielen Dank für die Unterstützung! Denn diese ermöglicht uns, mit viel Energie, Spaß und ausdauernder Motivation Themen zu bearbeiten, die wichtig für die digitale Zukunft sind. Das Jahr 2018 wird uns weiterhin mit einer großen Koalition auf Trab halten. Auf EU-Ebene laufen zahlreiche Gesetzesprozesse, die sonst fast niemand richtig auf dem Schirm hat. Wie diese die Netzpolitik in diesem Jahr und darüber hinaus beeinflussen, erfahrt ihr auf jeden Fall hier.
Wenn Ihr uns dabei unterstützen wollt, findet Ihr hier alle Möglichkeiten. Am besten ist ein Dauerauftrag, der uns ermöglicht, langfristig zu planen:
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Zweck: Spende netzpolitik.org
Wir freuen uns auch über Spenden via Bitcoin oder Paypal.
Unseren Transparenzbericht aus dem Januar 2018, Februar, März, April, Mai, Juni, Juli und August kannst Du hier lesen.
